Typische Fehler in der Zusammenarbeit mit Agenturen
Die meisten Enttäuschungen mit Agenturen entstehen nicht durch schlechtes Handwerk, sondern durch die Art der Zusammenarbeit. Unklare Ziele, zu viele Stimmen, wechselnde Wünsche, Ungeduld und fehlende Zulieferung erklären fast alle Fehlschläge. Das Unangenehme daran: Diese Ursachen liegen überwiegend beim Auftraggeber, und genau deshalb lassen sie sich abstellen.
Die Fehler vor dem Start
- Die Maßnahme bestellen statt das Ziel nennen: Wer eine Broschüre bestellt, bekommt eine Broschüre, auch wenn sein Problem woanders liegt.
- Den Rahmen verschweigen: Führt zu Vorschlägen, die unbezahlbar sind oder unter Wert bleiben. Beides kostet Zeit.
- Nach Geschmack auswählen: Die schönste Präsentation gewinnt, nicht die passendste Denkweise.
- Grundlagen überspringen: Kampagnen ohne geklärte Position sind Aufwand ohne Fundament.
- Zu viele Agenturen ohne Steuerung: Jede macht ihres, niemand macht das Ganze.
Der teuerste Fehler: zu viele Stimmen
Wenn mehrere Menschen aus Ihrem Haus der Agentur unabgestimmt Wünsche zurufen, entsteht ein Ergebnis, das alle Einwände berücksichtigt und niemanden überzeugt. Jeder einzelne Zuruf war berechtigt, das Ganze wird trotzdem beliebig, weil jede Kante irgendwann jemanden gestört hat.
Bündeln Sie auf eine Stimme. Eine Person sammelt intern, gewichtet, entscheidet Widersprüche und gibt gebündelt weiter. Das ist unbequem, weil diese Person Nein sagen muss, aber es ist die wirksamste einzelne Maßnahme für bessere Ergebnisse. Und sorgen Sie dafür, dass die entscheidende Person früh eingebunden ist. Wenn die Geschäftsleitung erst den fertigen Entwurf sieht und dann grundsätzlich wird, war alles davor umsonst.
Die Fehler im laufenden Projekt
Der Klassiker ist der wachsende Wunsch. Aus einer Website werden im Verlauf drei Sprachen, ein Buchungssystem und ein Bereich für Händler. Jede Erweiterung war einzeln vernünftig, zusammen sprengen sie Zeit und Rahmen. Erweiterungen sind legitim, aber sie müssen benannt, bewertet und entschieden werden, statt sich einzuschleichen. Verlangen Sie zu jeder Änderung eine Aussage über Auswirkung auf Termin und Rahmen, bevor Sie zustimmen.
Der zweite Klassiker ist Feedback zur falschen Ebene. Auf einen strukturellen Entwurf wird mit Farbwünschen geantwortet, auf einen Textentwurf mit Kommafragen. Beurteilen Sie das, was gerade zur Entscheidung steht, und heben Sie sich das Detail für später auf.
Der dritte ist die eigene Unzuverlässigkeit. Inhalte kommen nicht, Freigaben dauern, Termine werden verschoben. Danach wird der Endtermin trotzdem erwartet. Diese Rechnung geht nicht auf, und sie erzeugt genau die Hetze, in der Fehler entstehen.
Ungeduld
Marketing wirkt langsam, und fast alles, was schnell wirkt, wirkt kurz. Der häufigste Fehler nach dem Start ist deshalb, zu früh umzusteuern. Eine Kampagne läuft kurz, die Zahlen sehen nicht spektakulär aus, also wird alles umgeworfen. Damit vernichtet man den Aufbau, ohne je zu erfahren, ob es funktioniert hätte.
Legen Sie vorab fest, wie lange etwas läuft, bevor Sie es beurteilen, und halten Sie sich daran. Dasselbe gilt für die Position und das Erscheinungsbild: Wenn Sie es intern nicht mehr sehen können, hat der Markt gerade begonnen, es zu bemerken. Wechsel aus Langeweile ist der teuerste Grund, den es gibt.
Der Fehler, nichts zu sagen
Zum Schluss der leiseste: Unzufriedenheit, die nicht ausgesprochen wird. Es stört etwas, man will nicht kleinlich wirken, es staut sich, und irgendwann kommt alles auf einmal, meist als Kündigung. Für die Agentur ist das ein Schlag aus heiterem Himmel, denn niemand hat je etwas gesagt.
Sprechen Sie Störendes früh und sachlich an, auch Kleinigkeiten. Eine gute Agentur ist dankbar dafür, denn sie kann nur reparieren, was sie kennt. Und vereinbaren Sie ein regelmäßiges Gespräch, in dem nicht über Projekte, sondern über die Zusammenarbeit gesprochen wird. Es dauert selten lang und verhindert die meisten Trennungen.
Fazit
Nennen Sie das Ziel statt der Maßnahme, legen Sie den Rahmen offen und wählen Sie nach Denkweise. Bündeln Sie Ihre Seite auf eine Stimme und binden Sie Entscheider früh ein. Lassen Sie Erweiterungen bewerten, geben Sie Feedback auf der passenden Ebene, halten Sie Ihre eigenen Zusagen, urteilen Sie nicht zu früh und sprechen Sie Störendes an, solange es klein ist.