Agenturangebote vergleichen: Worauf Sie unter der Endsumme achten sollten
Zwei Angebote sind nur dann vergleichbar, wenn sie dieselbe Leistung beschreiben. Genau das ist fast nie der Fall. Die Endsumme steht am Fuß des Dokuments und verführt dazu, den Rest zu überfliegen, doch der Unterschied zwischen einem günstigen und einem teuren Angebot liegt regelmäßig nicht im Stundensatz, sondern in dem, was darin nicht steht. Lesen Sie deshalb von hinten nach vorn: erst die Ausschlüsse, dann die Leistungen, zuletzt die Summe.
Leistungstiefe schlägt Leistungsbreite
Viele Angebote listen beeindruckend viele Positionen auf. Das sagt wenig, solange nicht beschrieben ist, wie tief jede Position geht. Konzept ist keine Leistung, sondern eine Überschrift. Fragen Sie nach, was konkret dabei entsteht und in welcher Form Sie es bekommen. Ein Papier, eine Präsentation, ein Workshop, ein Gespräch. Erst dann wissen Sie, was Sie kaufen.
Dasselbe gilt für Gestaltung. Ein Entwurf kann eine grobe Richtung sein oder ein fertig ausgearbeiteter Vorschlag inklusive aller Formate. Zwischen beidem liegen Welten an Arbeitszeit. Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als die anderen, liegt der Unterschied oft genau hier, und er fällt Ihnen erst auf, wenn Sie mit einer Skizze dastehen und ein fertiges Ergebnis erwartet hatten.
Die Punkte, an denen Angebote auseinandergehen
- Korrekturschleifen: Wie viele sind enthalten und was zählt als eine. Eine gesammelte Rückmeldung ist etwas anderes als fünf einzelne Zurufe.
- Rechteumfang: Wofür dürfen Sie das Ergebnis nutzen, wie lange, in welchen Medien, in welchen Ländern. Das ist ein eigener Preisbestandteil.
- Fremdkosten: Druck, Fotografie, Lizenzen, Schriften, Technik. Sind sie enthalten, geschätzt oder gar nicht erwähnt.
- Dateien und Formate: Bekommen Sie offene Arbeitsdateien oder nur Endergebnisse. Das entscheidet über Ihre Unabhängigkeit.
- Projektsteuerung: Ist die Zeit für Abstimmung, Protokolle und Termine eingerechnet oder wird sie später zusätzlich berechnet.
- Ausschlüsse: Was steht ausdrücklich nicht drin. Dieser Abschnitt ist der ehrlichste im ganzen Dokument.
Pauschale, Stundensatz oder Pauschale je Zeitraum
Eine Pauschale gibt Ihnen Planungssicherheit und verlagert das Risiko auf die Agentur. Dafür kalkuliert sie einen Puffer ein, den Sie mitbezahlen, auch wenn er nicht gebraucht wird. Das ist der Preis der Sicherheit und meist ein fairer Handel, wenn die Aufgabe klar umrissen ist.
Eine Abrechnung nach Aufwand ist ehrlicher, wenn niemand vorher weiß, wie groß die Aufgabe wird. Sie verlangt aber Vertrauen und eine nachvollziehbare Erfassung. Lassen Sie sich zeigen, wie erfasst und berichtet wird, und vereinbaren Sie eine Grenze, ab der Rücksprache gehalten werden muss. Ohne diese Grenze ist offene Abrechnung ein offenes Ende.
Eine Pauschale je Zeitraum eignet sich für laufende Betreuung. Wichtig ist dann, was passiert, wenn ein Zeitraum nicht ausgeschöpft wird und ob Reste verfallen. Beides ist verhandelbar und beides sollte im Vertrag stehen, nicht in einer Zusage am Telefon.
Der günstige Preis und was er kostet
Ein deutlich günstigeres Angebot ist ein Hinweis, keine Empfehlung und kein Ausschlussgrund. Fragen Sie nach, woran es liegt. Manchmal gibt es gute Gründe: geringere Gemeinkosten, ein schlankes Team, ein Vorhaben, das gut ins Portfolio passt. Manchmal gibt es schlechte: Die Leistung ist enger geschnitten, die Rechte sind beschränkt, oder es wird bewusst niedrig eingestiegen und später nachberechnet.
Der Einstiegspreis mit späterer Nachberechnung ist die häufigste Variante, und sie ist schwer zu erkennen. Ein Anhaltspunkt: Je vager die Leistungsbeschreibung, desto größer der Spielraum für Nachträge. Bestehen Sie deshalb auf Konkretheit, gerade beim günstigsten Angebot.
Was Sie nicht vergleichen können
Manches steht in keinem Angebot. Ob Ihnen zugehört wird. Ob jemand widerspricht, wenn Sie sich irren. Ob Termine gehalten werden. Ob bei einem Problem angerufen oder geschwiegen wird. Diese Dinge entscheiden über den Erfolg der Zusammenarbeit stärker als jede Position im Dokument, und Sie erfahren sie nur aus Gesprächen und aus Auskünften anderer Auftraggeber.
Bitten Sie deshalb um zwei oder drei Referenzkontakte und rufen Sie an. Fragen Sie nicht, ob man zufrieden war, sondern was schiefgegangen ist und wie damit umgegangen wurde. Die Antwort auf diese Frage ist der beste Vergleichsmaßstab, den Sie bekommen können.
Fazit
Vergleichen Sie nicht Summen, sondern Leistungen. Prüfen Sie Leistungstiefe, Korrekturschleifen, Rechteumfang, Fremdkosten, Dateiübergabe und vor allem die Ausschlüsse. Fragen Sie beim günstigsten Angebot nach dem Grund und beim teuersten nach dem Mehrwert. Und holen Sie sich Auskünfte von Menschen, die dort schon Kunde waren.