Text und Redaktion: Was gute Texte ausmacht und wie sie entstehen
Guter Text beginnt bei der Person, die ihn liest, nicht bei dem Unternehmen, das ihn verschickt. Er sagt das Wichtigste zuerst, verwendet die Wörter der Leserschaft und behauptet nichts, was er nicht belegen kann. Das klingt selbstverständlich und ist es nicht: Die meisten Unternehmenstexte beginnen mit dem Absender, arbeiten sich durch Selbstbeschreibungen und kommen zur Sache, wenn längst niemand mehr liest.
Das Wichtigste zuerst
Menschen lesen im Netz nicht, sie suchen. Sie überfliegen eine Seite auf der Suche nach einem Hinweis, dass sie hier richtig sind, und wenn sie ihn nicht sofort finden, gehen sie. Ein Text muss deshalb umgekehrt aufgebaut sein wie ein Schulaufsatz: Ergebnis zuerst, Begründung danach, Beiwerk zuletzt.
Prüfen Sie einen Text, indem Sie nur die Überschriften und den ersten Satz jedes Absatzes lesen. Wenn Sie danach wissen, worum es geht, ist der Text gut gebaut. Wenn nicht, hilft kein Feinschliff, sondern nur eine neue Reihenfolge. Diese Probe ist schnell gemacht und deckt mehr auf als jede Diskussion über einzelne Formulierungen.
Die Floskeln, die nichts sagen
- Selbstlob ohne Beleg: Führend, innovativ, kompetent, hochwertig. Diese Wörter behaupten alle, deshalb glaubt sie niemand.
- Verwaltungssprache: Substantivketten und Passiv verstecken, wer was tut. Wer handelt, soll im Satz vorkommen.
- Leere Verstärker: Ganz besonders, absolut, sehr. Sie machen einen schwachen Satz nicht stark, sondern länger.
- Vage Zusagen: Individuelle Lösungen, maßgeschneidert, aus einer Hand. Sagen Sie stattdessen, was Sie konkret tun.
- Fachsprache am falschen Ort: Begriffe, die im Haus jeder kennt und außerhalb niemand.
Wie ein Text entsteht
Ein guter Text ist zu neunzig Teilen Denkarbeit und zu zehn Teilen Formulierung. Wer eine Agentur beauftragt, ohne zu sagen, was der Text erreichen soll, für wen er ist und was hängen bleiben muss, bekommt gefällige Sätze über nichts. Das Briefing ist deshalb wichtiger als der Korrekturlauf.
Liefern Sie Rohstoff. Fachwissen, echte Beispiele, die typischen Fragen Ihrer Kundschaft, die Einwände aus dem Vertrieb, die Wörter, die Ihre Leute benutzen. Eine Textfachkraft kann formulieren, aber sie kann nicht wissen, was in Ihrem Betrieb passiert. Je mehr Substanz Sie geben, desto konkreter wird das Ergebnis, und Konkretheit ist der Unterschied zwischen einem Text, der wirkt, und einem, der klingt.
Wie Sie Text beurteilen, ohne ihn umzuschreiben
Der häufigste Konflikt entsteht, wenn Auftraggeber anfangen, Formulierungen zu ändern. Jeder kann schreiben, also glaubt jeder, es besser zu können. Das Ergebnis ist ein Text aus vielen Federn, der seinen Rhythmus verliert und am Ende klingt wie ein Protokoll.
Trennen Sie deshalb zwei Ebenen. Fachliche Fehler müssen Sie korrigieren, immer: Was falsch ist, ist falsch. Über Formulierungen sollten Sie nicht entscheiden, sondern eine Wirkung beschreiben. Sagen Sie nicht, dass ein Wort ersetzt gehört, sondern dass der Absatz sich distanziert anfühlt oder dass der Einstieg Sie nicht abholt. Die Umsetzung ist dann Sache der Fachkraft. Diese Regel wirkt kleinlich und rettet mehr Texte als jede andere.
Redaktion ist mehr als Rechtschreibung
Redaktion bedeutet nicht, Fehler zu suchen, sondern Verantwortung für das Ganze zu übernehmen: Stimmt die Reihenfolge, ist der Ton einheitlich, widersprechen sich zwei Seiten, ist etwas doppelt gesagt, fehlt etwas. Wenn viele Menschen an Inhalten arbeiten, braucht es diese eine Instanz, sonst zerfällt der Auftritt in Handschriften.
Legen Sie fest, wer diese Rolle hat, im eigenen Haus oder in der Agentur. Und geben Sie ihr das Mandat, Beiträge abzulehnen. Eine Redaktion ohne Mandat ist eine Korrekturhilfe, und die löst das Problem nicht.
Fazit
Bauen Sie Texte vom Leser her, sagen Sie das Wichtigste zuerst und streichen Sie alles, was jeder behaupten könnte. Investieren Sie in das Briefing statt in Korrekturrunden und liefern Sie Rohstoff aus dem Betrieb. Korrigieren Sie Fachliches, beschreiben Sie bei Formulierungen die Wirkung statt die Lösung, und geben Sie der Redaktion ein echtes Mandat.